Aus einer Hauruckaktion werden am Ende 10.000 Euro

Martin Weisbach wollte mit seinem Auto Menschen von der ukrainisch-polnischen Grenze in Sicherheit bringen und brachte den Handels- und Gewerbeverein Holzgerlingen auf Touren.

Sindelfingen/Holzgerlingen. Martin Weisbach saß zu Hause auf Kohlen. Die Bilder aus der Ukraine machten den Webdesigner und Hundetrainer fassungslos. „Ich musste etwas tun, konnte das alles nicht einfach so hinnehmen.“ Der Holzgerlinger Unternehmer mit Sindelfinger Wohnsitz trug sich im Netz auf „unterkunft-ukraine.de“ ein, um vielleicht auf diesem Weg Menschen in Sicherheit zu bringen. „Das war aber nicht genug.“

Am Freitag vor zwei Wochen machte der 45-Jährige Nägel mit Köpfen. „So, Freunde. Ich plane einen Roadtrip nach Przemysl. Dort, wie vielerorts, bahnt sich eine humanitäre Katastrophe an. In mein Auto passen vier Menschen, Kindersitze sind auch an Bord. Machen wir einen Konvoi, wer fährt mit seinem Auto mit?“, schrieb Martin Weisbach Freunde und Bekannte an.

Viele fanden es gut, aber keiner wollte mit

Die Idee nahm zwar Tempo auf, gewann aber nicht an Fahrt. Die einen packten Kisten, andere wollten Kosten übernehmen und organisierten ein Dach über dem Kopf. Unter anderem auch für eine Zwischenstation in Berlin, falls nötig. Doch auch die Bedenken wurden größer. Aufwand, Ausweise, Aufenthaltsgenehmigung – es stellte sich die Sinnfrage danach, ob man ein komplettes Wochenende nicht effizienter einsetzen könnte. Und am Ende des Tages stand: Viele fanden es gut, aber keiner wollte mit.

Martin Weisbach: „Und alleine die 1400 Kilometer konnte ich auch nicht mehr fahren.“

Sofort kreativ dabei war Martin Weisbachs Freund Alex Stamm. Der Grafikdesigner ist Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins Holzgerlingen (HGH). Der Sindelfinger ist dessen Stellvertreter und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig: „Alex war auch sofort hin- und hergerissen. Am Samstag habe ich mit ihm gesprochen. Er meinte, lass uns einfach eine Spendenaktion machen, da können wir viel mehr ausrichten.“

Die turnusmäßige Vorstandssitzung kam zwei Tage später wie gerufen, die anderen HGH-Vorstände waren sofort dabei. Intern ging virtuell der Klingelbeutel rum, und zwei Wochen später sind bereits über 8.650 Euro beisammen. Allein die Firma merkando hat 4.000 € gespendet. Martin Weisbach: „Das Geld geht an die Sindelfinger Aktion „Helfen statt Hamstern“, die damit fünf Lkws für Hilfsgüter bezahlen kann. Es ist großartig, dass unsere Mitglieder sofort mit am Start waren“, sagt Martin Weisbach. Der HGH hat den Betrag jetzt aufgerundet (Stand 30.3.2022).

Text: Jürgen Wegner